Sonett für María[dirigido a Señora María Gutiérrez, Poeta del Mundo]Es war schon Herbst in Ost-Berlin,der Tag war regennass und grau,da kam von Süden eine Frau,und siehe da: Die Sonne schien.Ihr Wort war feinste Poesie,und in der dicken Großstadtluftlag süßer, schwerer Rosenduft,ein Falke aus der Ferne schrie.Und wir gelobten: 'Nunca más!'Die Welt, wie einst Ramona schrieb,sei niemals me ...
Sonett für María[dirigido a Señora María Gutiérrez, Poeta del Mundo]Es war schon Herbst in Ost-Berlin,
der Tag war regennass und grau,
da kam von Süden eine Frau,
und siehe da: Die Sonne schien.
Ihr Wort war feinste Poesie,
und in der dicken Großstadtluft
lag süßer, schwerer Rosenduft,
ein Falke aus der Ferne schrie.
Und wir gelobten: 'Nunca más!'
Die Welt, wie einst Ramona schrieb,
sei niemals mehr der Geier Fraß.
Ich hatte sie von Herzen lieb,
die Frau von den Canarias,
von der uns noch ein Lachen blieb.
***
Ramona12. Oktober 1996
auf dem Zócalo
von Mexico City
Eine kleine Frau
betritt
die Tribüne
Schwarz vermummt
im bunt gewebten Rock
Kommandantin Ramona
Mit fester Stimme
sagt sie
Nunca más
Nie mehr ein Mexiko
unser Land
ohne uns
Nie mehr ein Leben
ohne Hoffnung
ohne Sinn
Nie mehr ein Mann
ohne Kraft
ohne Mut
Nie mehr eine Frau
ohne Würde
ohne Recht
Nie mehr ein Kind
ohne Brot
ohne Buch
6. Januar 2006
auf der Straße
nach San Cristóbal
Eine große Frau
verlässt
die Bühne
Die Völker Mexikos
weinen
um Ramona
Am Tag der Toten
bringen sie ihr
Mais und Mangos
Der Tagelöhner
und die Marktfrau
mit ihrem Kind
Sie sagen
mit fester Stimme
Nunca más
***
Das Märchen von der Dublonen-JennyEs war einmal ne kleine Jenny,
die hatte keinen müden Penny,
hatte kein Lager für die Nacht
und stand auch unter Mordverdacht.
Sie irrte nachts durch kalte Gassen
und dachte nur ans Essen fassen.
Die Krähe war schon längst verdaut,
der Magen knurrte bös und laut.
Das letzte Stückchen Brot in Händen,
das Mieder fransig an den Enden,
lehnte sie an der Ecke dran,
da sprach ein alter Mann sie an:
'Mägdlein, ich bitt euch, habt Erbarmen,
sonst holt der Beelzebub mich Armen!
Hab nichts gegessen wochenlang,
auch ist mir vor dem Nachtfrost bang.'
Die Jenny sah den Bettler frieren,
gab hin ihr Mieder ohne Zieren,
gab auch ihr letztes Stückchen Brot
dem armen Mann in seiner Not.
Bedroht vom eigenen Verderben
sprang sie ins Meer, um gleich zu sterben,
da stieß sie mit dem Kopf am Grund
an einen Goldtopf kugelrund.
Der war gefüllt mit Golddublonen,
Beute und Beule sollt sich lohnen,
die Jenny lief zum Pub im Nu,
soff Stout und fraß ne ganze Kuh.
biografia:
Ruth Petra Namyslo, geboren am 23. 12. 1954 in einer Arbeiterfamilie, wohnhaft in Berlin. In meiner Freizeit schreibe ich Gedichte, die ich in Internetforen veröffentliche, meinen Katzen vorlese und im Friedrichshainer Autorenkreis diskutiere. Mein Leben gilt dem Kampf um eine bessere Welt, in der Menschen, Tiere und Mutter Erde zu ihrem Recht kommen. Wie einfach, mag sich manch Einer denken, in einem Land zu kämpfen, in dem Milch und Honig fließen, aber kein Blut vergossen wird, in dem es weder Folter noch Hunger gibt, in dem jedes Kind lesen und schreiben kann. Aber das ist genau das Problem. Die Menschen in unserem Land sind satt, sind oft blind und taub für das Elend der Welt. Doch wir Dichter sind nicht stumm. Wir werden unsere Stimme erheben, so dass jeder uns hören kann: 'Nunca más un mundo sin nosotros!'
pnamyslo@arcor.de